Chronik

Von Damals bis Heute

Aus unserer Entstehungsgeschichte

Parteiaustritte liegen der CSU schwer im Magen, Zeitungsartikel
Das Jahr 1972 war für die Stadt Wasserburg am Inn zum Schicksalsjahr geworden.

In der Landkreisgebietsreform hat sie ihre Verwaltungszentralität verloren. Die Befürchtungen, dass sie binnen kurzer Zeit etwa 250 krisenfeste Arbeitsplätze und 600 bis 800 Einwohner verlieren würde, haben sich bald darauf als harte Realität erwiesen. Man machte sich damals große Sorgen um die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse, der kommunalen und gesellschaftlichen Zentralität.

Im gesamten alten Kreisgebiet war eine äußerst aktive Bürgerinitiative bemüht, das Unheil doch noch abzuwenden.

Die damaligen politischen Verhältnisse und ihre absehbare Entwicklung konnten nicht ohne Rückwirkungen auf die Kommunalpolitik in der Stadt Wasserburg bleiben. Schon im Jahr 1971 waren sechs CSU-Stadträte aus ihrer Partei ausgetreten und hatten fortan eine neue Stadtratsfraktion unter dem Namen “Wasserburger Union” gebildet.

Geprägt durch die politische Situation war die öffentliche Meinung aufgeschlossen dafür, in der Kommunalpolitik neue Organisationsformen zu finden – unabhängig von den Parteien und ihrer Politik. Die Idee, die für die örtliche Gemeinschaft wichtigen Entscheidungen selber in die Hand zu nehmen, fand immer mehr Verbreitung.

Diese Kriterien waren die Grundlage für den Zusammenschluss “Wasserburger Union” mit dem “Parteilosen Wählerblock” (einer Wählergemeinschaft, die damals schon etwa zwölf Jahre bestanden hatte und zuletzt im Rathaus durch Stadtrat Jörg Prantl vertreten war) zum WASSERBURGER BLOCK.

Nach dem Gründungsvorgang, war der WASSERBURGER BLOCK zunächst ein nichtrechtsfähiger Verein. Am 21. Febr. 1972, etwa einen Monat nach der Gründung, fand im Wasserburger Hotel Fletzinger die Nominierungsversammlung für die anstehende Kommunalwahl statt.

Stadtratswahlen vom 11. Juni 1972

  • CSU 19,95% 19,95%
  • SPD 37,63% 37,63%
  • FDP / Jungwähler 1,37% 1,37%
  • Bayernpartei 9,64% 9,64%
  • Wasserburger Block 31,39% 31,39%

Unsere ersten 20 Stadtratskandidaten waren:

Dr. Martin Geiger, Leo Hutterer, Jörg Prantl, Christian Kaiser, Hanns Airainer, Hans Gartner (sen.), llse Dempf, Hans Werner Elsner, Dr. Ludwig Scheidacher, Stefan Heinrichsberger, Witgar Neumaier, Otto Atzinger, Hans Knirsch, Willi Schneider, Kurt Götter, Erich Lederer, Willi Däullary, Heinz Hecht, Franz Fritsch und Ferdinand Schwenk (jun.)

Unter drei Bewerbern wurde bereits im ersten Wahlgang Dr. Martin Geiger als Bürgermeisterkandidat nominiert. Diese Personalentscheidung wurde zur zukunftsweisenden Grundlage für die Arbeit der Überparteilichen Wählergemeinschaft WASSERBURGER BLOCK.

Dr. Geiger war seit 1970 juristischer Staatsbeamter am Wasserburger Landratsamt gewesen. Schon bei seiner Bewerbung um das Bürgermeisteramt hatte er die Größe und den Schwierig-keitsgrad der Aufgabe erkannt, die hier gestellt war. Aber er wusste auch um die Lösungsmöglichkeiten. Er wusste auch wo der Hebel anzusetzen war – an der Sache und nicht nur bei förderungswilligen Instanzen anderer politischer Etagen.

Die Kommunalwahl am 11. Juni 1972 machte Dr. Geiger zum I. Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn und verschaffte dem WASSERBURGER BI.OCK eine starke Stadtratsfraktion aus damals sechs Mitgliedern. An diesen Vorraussetzungen für eine produk-tive Kommunalpolitik des W ASSERBURGERBLOCKS hat sich bis heute nichts geändert.

Gemeindewahl 78, Wahlzeitung
Wahlergebnis des Vorstands, 1972
Bald nach dem Eintritt in die kommunalpolitische Arbeit wurde es deutlich, dass eine feste Organisation gebraucht wurde, wie sie nur einem in das Vereinsregister eingetragenen, rechtsfähigen Verein möglich war. Schon im August 1972 erfolgte die Umgründung in einen eingetragenen Verein. Die Mitglieder seines Gründungsvorstandes waren:

Dr. Martin Geiger
Ilse Dempf
Hans Knirsch
Franz Fritsch
Willi Schneider

Der Vorstand hat sich immer als ein Arbeitsgremium mit organisatorischer Aufgabenstellung gesehen. Niemals hat er Richtungsstreitigkeiten oder Flügelkämpfe erlebt.

In der Satzung des Vereins heißt es: “Der WASSERBURGER BLOCK ist eine freie Wählergemeinschaft. Der Zweck ist die von den politischen Parteien unabhängige Wahrnehmung der kommunalpolitischen Interessen der Bevölkerung der Stadt. Der WASSERBURGER BLOCK beteiligt sich an der kommunalpolitischen Wi1lensbildung, insbesondere durch die Aufstellung von Bewerbern für die Wahlen zum Stadtrat und zum Kreistag”. Ambitionen, die darüber hinausgehen, lässt unsere Satzung nicht zu.